Nicht nur zum Schwoof in die Villa Neukölln

2015-05-02 - Villa Neukölln - Foto © Carlo Wanka 02

von Carlo Wanka

BERLIN NEUKÖLLN – Rund um die Hasenheide war mal ein Amüsierviertel mit Park, Biergärten, Musik und Tanzlokalen. Im 20. Jahrhundert wurde gebaut, was das Zeug hält, und gegen Ende des selben verkamen viele der schönen Amüsemangs zu Teppichläden, Möbellagern oder Autowerkstätten. Nur wenige konnten sich halten. Am bekanntesten ist wohl ‚Die Neue Welt‘ am Hermannplatz, die mittlerweile eingepfercht zwischen Baumarkt, Einkaufszentrum und Spielhalle liegt.

Wald-Frucht-Shake - Logo1 © VillaNeuköllnNico, der im Kiez aufgewachsen ist, hatte die Chance den Möbelladen in der Hermannstraße 223 zu erobern, und da, wo einst Tische und Stühle gestapelt wurden, baute er eine coole Trashkneipe mit schniekem Saal. Das Objekt war einer der verloren gegangenen Spaßtempel: die Villa Neukölln.

Er erweckte sie aus dem Dornröschenschlaf und mit viel Gespür und Sinn für den Zeitgeist der immer brodelnden Hauptstadt entstand ein neuer kultiger Treffpunkt.

2015-05-02 - Villa Neukölln - Foto © Carlo Wanka 01Wenn man von außen das Schmuckkästchen betrachtet, ist es dem Märchen vom hässlichen Entlein sehr ähnlich. Im Vorderteil befinden sich zwei Räume, die mit Sperrmüllmöbeln – anscheinend aus dem früheren Lager stammend – vollgestellt wurden und im Eingangszimmer zimmerte man einen dazu passenden Tresen. Auch die Toiletten sind nicht der Hype. Doch das ist egal. Die Location ist von den X-köllnern voll angenommen und gut frequentiert. Relaxed und szenig gibt sich das aus fast allen Altersstufen stammende Publikum.

Villa Neukölln - Foto © VillaNeuköllnDie Mode der Protagonisten ist ebenso kreuz und quer gemixt, wie der Stil der Möbel, auf denen sie sich präsentieren. Während der eine in der Ecke ein echtes Buch liest und nur ab und an aufschaut, um mit kreisendem Blick die Situation abzuscannen, sitzt ein anderer mit grellen Beatskopfhörern, nickt im Takt und hackt auf sein Macbook ein. Gut ist, dass der eine Raum ein Raucherzimmer ist. Weniger gut, dass der Tresen im Nichtraucherteil steht.

Aber dann:

2015-05-02 - Villa Neukölln - Kasse - Foto © Carlo Wanka 017Man passiert im Gang ein kleines Kassenhäuschen und betritt den Saal. Mit einem Schritt begibt man sich in das Berlin der Zwanziger – oder jedenfalls das, was wir uns nach allen Klischees darunter vorstellen. Beeindruckend, wie Nico es geschafft hat, in diesem Gewölbe dieses Flair wieder aufleben zu lassen. Dabei spielte er bloß mit einfachen Weinkisten, alten Bücherregalen, Stehlampen und unterschiedlichen Sitzmöbeln. Der Hingucker ist der Parketttanzboden, den er nach alter Methode neu verlegt hat.

2015-05-02 - Villa Neukölln - Bühne - Foto © Carlo Wanka 002Am Kopf des Ganzen erhebt sich eine recht große Bühne, auf der auch eine größere Combo auftreten kann. Mittig links ist die DJ-Station, die ebenfalls das Mischpult beherbergt.

Wenn man eintritt, gleich rechts befindet sich eine stattliche Bar, an der ich mir schon, mit dem entsprechenden Barpersonal, so manchen verteufelt leckeren Trinkklassiker vorstellen könnte.

In meinem Fall könnte dies ein ‚Journalist‘ oder ein ‚Fallen Angel‘ für den Start Up sein. Weiter würde ich mich dann gerne mit einem ‚New 1920‘, einem Drink, der dem Manhattan nahe steht, anfreunden und zuletzt dann mich auf den einen oder anderen ‚Old Fashioned‘ einpegeln.

2015-05-02 - Villa Neukölln - Foto © Carlo Wanka 05
Es gab aber nur Pils, Hefeweizen, Weine und Longdrinks sowie Schnäpse. Da gewann dann das Hefeweizen. Zum Schluss genoss ich noch einen einfachen Primitivo, der nicht zu vollmundig und auch in seiner Trockenheit zufriedenstellend war.

Ich war ja dorthin gekommen, um die achtköpfige Band Fidel Castor und die Transporter von Hannes Schindler bei ihrer CD-Release-Party mit dem neuen Videoclip ‚Mein Wein‘ zu erleben und zu fotografieren. Ihre freche gelungene Musik, die sie selbst als ‚Swunk‘ bezeichnen – Wortspiel aus Swing & Punk – war irre cool. Zu dem Videoclip bekam jeder Gast einen Rotwein-Gutschein kredenzt, den ich wie oben schon geschildert zum Schluss einlöste.

2015-05-02 - Villa Neukölln - FidelCastor - Foto © Beate MoellerÜber Fidel Castor und die Transporter erfahrt ihr die ausführliche Kritik auf der Kleinkunstplattform www.liveundlustig.de.

Fotos: Beate Moeller, Carlo Wanka und PR-VillaNeukölln
© BonMoT-Berlin Ltd.

 

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